In einer jenseits von Raum und Zeit existierenden untrennbaren Essenz, einem unendlichen Ozean aus reinem Licht und alles integrierender Wärme, herrscht die bedingungslose Liebe. SIE ist alles, was es gibt. Und alles was es gibt, ist SIE. In dieser ewigen Einheit gibt es keinen Anfang und kein Ende, keine Bewegung, keinen Wandel, keine Begrenzungen. Reiner Geist.
Aus einer lustvollen Laune ihrer Natur und einer ironischen Vorstellung, dass in dieser ewigen Weile des Friedens so etwas wie “Langeweile” existieren könnte, beschloss die Essenz der Liebe, ein Spiel zu beginnen, in welchem die unmögliche Möglichkeit einer scheinbar von ihr selbst abgespaltet wahrzunehmenden Wahrnehmung wahrgenommen werden konnte.
Raum & Zeit
Dieses Vorhaben erforderte zunächst die Erschaffung eines “neuen” Raumes innerhalb ihres grenzenlosen Seins, da es kein “ausserhalb” von ihr selbst gibt. Kräfte und Mächte mit seltsamen Namen und Aufgaben wurden von ihr dazu ins Leben gerufen, um die Hülle dieses Raumes zu halten und zu stabilisieren. Diese sollte den Raum von ihr selbst getrennt erscheinen lassen. Denn darin sollte nun das scheinbare Gegenteil ihrer ewigen Nichtzeit – die Zeit – erfahren und erlebt werden können.
Dazu war zunächst die Erschaffung von weiteren 4 Mächten notwendig, deren Aufgabe es sein sollte, innerhalb eines gegensätzlich anmutenden Tag-Nacht-Rythmus, eine Vergänglichkeit aller Dinge zu simulieren. Sie nannte diese Mächte Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Zusammen würden sie ein Jahr darstellen, das sich selbst wiederum in mehrfach verschachtelte grössere und kleinere Abschnitte aufgeteilt darbieten sollte. Jedes Ende sollte zugleich ein Anfang sein. Nun konnte Zeit stattfinden.
Einer wird erschaffen
In dieser Raum-Zeit-Idee wollte sich die Liebe von sich selbst getrennt wahrnehmen. Um quasi von sich selbst ver-rückt zu sein. Sie schuf für ihren Aufenthalt darin innerhalb jener Form des Raumes eine weitere Form und nannte diese Einer, denn dieser war unteilbar und einzig, wie sie selbst. Von nun an hatte die Unbegrenztheit in Raum und Zeit eine vermeintlich echte Begrenzung, eine Form, einen Körper – der Mensch. Und durch den scheinbaren Anfang, glaubte er eine Zeitspanne lang auch an ein Ende – wie wenn es wirklich existieren würde.
Einer erschien nun also am Ort der Zweiheit, wo die Zeit seiner “neuen” Wahrnehmung nach zu fließen begann, und alles was er sah in Gegensätzen existierte. Hier gab es oben und unten, heiß und kalt, Licht und Schatten. Überall, wohin Einer blickte, sah er das Gegenüber eines Gegenübers. Der Tag hatte eine Nacht, die Sonne den Mond, der Berg ein Tal, und Herr Schildkröte hatte Frau Schildkröte – denn auch die Tiere waren zwei. Alles war gespiegelt, alles war dual.
Einer Allein
Nur Einer war Einer. Einzig in seiner Einzigartigkeit. Er war jene Form, in der die Liebe das Spiel begann, aber er war jedoch im Vergleich zu allem was er sah, ohne Gegenüber. Das störte ihn. Er, der alles war und alles sein konnte, schien anders zu sein. Diesem einsamen Gedanken schenkte er in sich ein Gegenüber: Er erschuf aus dem Gedanken heraus das Gefühl mit dem Namen “Alleine” und fühlte es, als wäre es ein Teil von sich selbst. Er wünschte sich, auch zwei sein zu können, um die volle Erfahrung dieses faszinierenden Ortes der Gegensätze “selbst” erleben zu können.
Müde von seinen anstrengenden Gedanken und ausgelaugt von seinen Gefühlen des Alleinseins, legte sich Einer nieder und schlief ein.
In seinem tiefen Schlaf begann er zu träumen. Und sein Traum war mächtig, denn er träumte von der Zweiheit. Er träumte, er hätte sich selbst in unzählige Teile gespalten, in Milliarden von Traumfiguren. Er nannte sie Menschen, was so viel wie “Die Vergessenen” bedeutete, denn in seinem Traum konnten sie lange Zeit ihre wahre Identität nicht erinnern.
Spaltung
Im Traum jener Menschheit entwickelte sich eine lange und komplexe Geschichte. Alle und alles war seltsam und daher weitgehend unerkannt miteinander verwoben. Ein Nebel lag über den Herzen. Alles erschien verschwommen. Die Menschen, gefangen im Wahn der Trennung, erlebten alle Extreme der Dualität. Sie bauten Städte und zerstörten sie wieder. Sie suchten nach Liebe und fanden Schmerz, ohne zu merken, dass sie selbst die Liebe waren. Sie erfanden Götter, Kriege und Geschichten, um ihren Platz im Universum zu verstehen.
Sie erschufen Helden und Feinde, Brücken und Grenzen. Der Traum fühlte sich unglaublich real an. Die Zeit verging scheinbar Jahrtausende lang, und die Menschen litten unter dem “geplanten Irrtum” und dem “vorsätzlichen Vergessen”. Sie waren so tief in der Simulation gefangen, dass sie die Spielfigur für sich selbst hielten. Und das immer intensiver werdende Vergessen für eine Erleichterung.
Erinnerung
Doch tief in den Herzen der Traumfiguren begann durch die hausgemachte Übersättigung ihrer in Gedanken und Gefühle aufgespaltenen Seele eine leise Erinnerung zu flüstern. Einige der Menschen trauten sich, mutige Fragen zu stellen. Sie hinterfragten die Regeln der Dualität, die Dogmen der Religionen, die Manipulation der Ideologien, die marketingwirksamen Lösungsansätze der Wissenschaft, die Selbstbefriedigung der Politik und sogar die Kugel die sie Globus nannten. Sie trauten sich ihr gedachtes Selbst, ihr “Ich”, ihre Gedanken und Gefühle, ihren Zweifel und ihre Angst zu hinterfragen. Sie stellten den Tod in Frage. “Wer bin ich” war jene Frage, welche in allen getrennt gedachten Körpern zu brennen begann. Und die Logik der bedingungslosen Liebe durchströmte mit der Kraft der Wahrheit ihre Formen.
Einer kam selbst um zu erinnern. Einer wurde Christus genannt – “Der Gesalbte” oder “Der Erwachte”. Einer war der erste im Traum der seine wahre Identität erkannte. Er sah, dass alles, was er suchte, in ihm selbst war: Er war der Vater, das Lied, das Bild, der Feind, das Opfer und die Liebe. Er durchschaute die Ironie des Spiels. Er wusste, dass er nicht getrennt von Allen, Allem und auf die Form mit dem Namen Jesus begrenzt war. Einer war somit eine Gefahr, die beseitigt werden musste, da die Idee der Spaltung, der Wahn-Sinn, noch nicht bereit war sich für die Wahrheit zu opfern. Also opferte sich die Wahrheit für den Wahn-Sinn.
Als immer mehr Traumfiguren begriffen, was passiert war und begannen, sich an diese eine, alles umfassende Liebe und Wahrheit zu erinnern, wurde der Traum instabiler. Die kollektive Erinnerung wuchs. Die Kräfte des Raumes kamen ins Wanken. Der Wahn-Sinn der Dualität war zunehmend bereit, sich selbst loszulassen und jener Wahrheit der Einheit in den Herzen ihren Platz zurück zu geben. Ein Paradigmenwechsel. Die Menschen begannen zu verstehen, dass sie alle nur Facetten desselben einen Bewusstseins waren. Sie alle waren ein und der selbe Einer.
In diesem Moment der universellen Erinnerung geschah das Unvermeidliche.
EINER wacht auf
Der Traum der Menschheit löste sich auf und schob sich nunmehr als Erfahrung in die innerliche Erinnerung Einers, verblieb dort als ewiges Wissen der Unmöglichkeiten und begann zu leuchten. Die Wahrnehmung von Zeit und getrennter Dualität, die Idee des Todes, sowie jegliche nunmehr in Liebe gelöste Emotion wie Angst, Scham und Schuld, folgten ihr nach, um in ihrem Licht ewig unsichtbar zu werden.
Einer kam zu sich. Er lag unter einem Baum in der unendlichen Weite der Nichtzeit, im Land des Lichts der Liebe, am Ozean der Stille und Wahrheit.
Mit einem tiefen, wissenden Lächeln – dem liebenden Lächeln der göttlichen Ironie – erkannte er, dass er nie wirklich getrennt von sich war. Ihm wurde gewahr, dass er einen kleinen Augenblick geschlafen hatte und die ganze geträumte “Menschheitsgeschichte” lediglich im Bruchteil eines ewigen Moments geschehen war.
Einer erwachte in Eden, dort wo er eingeschlafen war.
Es gab nur die Liebe.
Sie war Einer.
Einer ist wir.
Du bist Einer.







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