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Zeit

Mein ganzes Leben lang hatte ich krampfhaft versucht, das Gestern nach jeder Nacht vom Heute zu trennen.

Als würde es nur dann Sinn machen, wenn alles scheinbar geordnet, eingeteilt und kontrolliert ist:
Das, was war – dort hinten.
Das, was ist – hier.
Und das, was vielleicht kommt – noch nicht da.

Ich nannte es Zeit – Und dann begann ich, darunter zu leiden.

Ich wollte vergessen, was schmerzte.
Ich wollte festhalten, was glücklich machte.
Ich wollte planen, was mir Kontrolle gab.
Doch ich erkannte nicht: Es war nicht die Zeit, die mich vom Glück trennte.

Ich selbst hatte mich getrennt, abgespalten von meinem wahren ICH.

Die Wahrheit? Ich hatte keine Zeit für sie. Bis mit der Zeit der Schmerz kam. Dann brauchte ich Zeit um zu erkennen:

Gestern hat nie aufgehört.
Heute hat nie begonnen.

Zukunft ist kein Ort.
Vergangenheit ist kein Gefängnis.
Beides sind nur Gedanken – die ich erschaffen, geglaubt und mit ihnen seltsame Gefühle verknüpft habe, die mir so viel Kraft abverlangten, dass ich alterte.

Ich war es selbst, der Tag und Nacht benannt hat in meinem Wahn in Trennung Sinn finden zu wollen. Ich war derjenige, der gesagt hat: „Jetzt ist es vorbei.“ Und „Jetzt beginnt etwas Neues.“ Ohne dass ich bemerkte, dass ich damit eigens mein Sein fragmentierte, meine Identität filetierte und mein Leben selbst sabotierte.

Ich war es, der geglaubt hat, dass Licht und Dunkel sich nicht gleichzeitig in mir aufhalten dürfen. Obwohl die Liebe Alles in Allem ist und in sich genau jene Finsternis in Licht verwandelt, die ich von mir krampf- und schmerzhaft abzuspalten versuchte.

Und nur ich war es, der dann die Konsequenz gespürt hat: Trennung. Ein gefühltes Ich, selbst erschaffen, jedoch abgespalten von mir selbst, meinem wahren ungeteilten Ich, von der bedingungslosen Liebe und ihrer Stille und damit separiert von allem und allen anderen. Fern von mir, fern von Gott. In mein Herz zu gehen traute ich mich nicht. Ich hatte Angst vor der Leere.

Zeit ist eine Illusion

In jedem „Gestern“, das ich nicht mehr wollte, war ein Teil von mir, der nach mir gerufen hat.
In jedem „Heute“, das ich mit Pflichten – die mich taub machten – überladen habe, lag ein stilles Wunder, das ich übersehen habe.
In jedem „Morgen“, dem ich in der Hoffnung auf das Glück (damit verband ich ewige Ruhe, Annahme und Stillung des Mangels) entgegensehnte, saß nur die Gegenwart, verkleidet – Alles in Allem. Das Jetzt war jederzeit zugegen, ohne dass ich es bemerkte. Ich verbrachte schließlich meine Zeit nur damit, aus den Scherben meiner Vergangenheit eine Zukunft zu basteln. Eine Illusion.

Es gibt nur dieses Jetzt. Kein anderes.

Nicht jenes flüchtige, tickende Jetzt, das gleich wieder weiterzieht – sondern das ewige Jetzt.
Jenes, in dem keine Zeit mehr notwendig ist.
Das Jetzt, in dem ich mich nicht mehr aufteile in Gedanken, Gefühle, Rollen und Widerstände, um aus den Schwierigkeiten der Vergangenheit meine Sorgen und Ängste der Zukunft zu formen.

Nur das Jetzt, in dem alles ist und alles seinen darf. Auch ich.

Hier erkenne ich:
Ich bin nicht das, was vergangen ist.
Ich bin nicht das, was noch kommt.
Ich bin das, was immer hier war – Ich war nie entfernt.

Hier endet die Suche. Nicht in Wissen. Sondern im Sein der bedingungslosen Liebe und ihrer Stille.

Still genug, um zu hören:
Ich bin – Jener, der durch diese Augen schaut und alle Gedanken und Gefühle in diesem Körper in Liebe zusammenführt um sie wieder zu vereinen, damit das ungeteilte ICH zum Ausdruck kommen kann, das ich bin.
Jetzt.

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