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Dialog mit meiner Angst – oder Hildegard halt’s Maul

Liebe Angst – Das ist MEIN Bett

Liebe Angst, ab heute bekommst du von mir den Namen Hildegard.
Also: Liebe Hildegard, es ist gut, dass es dich gibt, Du hast mich schon oft vor etwas beschützt, gewarnt und mich vor Schaden bewahrt. Dafür bedanke ich mich bei Dir von ganzem Herzen. Daß Du in meinem Leben existierst ist gut und sinnvoll – bis zu einem gewissen Grad. Denn es gibt Bereiche in meinem Leben, in denen es überhaupt gar kein Grund dafür gibt, daß Du dich bemerkbar machst. Du zeigst Dich hier aber trotzdem. Das ist nicht in Ordnung. Darüber müssen wir reden.

Ich habe in der Vergangenheit zu wenig auf meinen Geist, meine Seele und meinen Körper gehört und deshalb einiges in Aufruhr gebracht was in einem Burnout und schwerer Depression gipfelte. Das ist sicherlich auch der Grund, weshalb Du noch etwas durcheinander bist. Es tut mir leid, daß dies alles passiert ist.

Daher möchte ich Dich bitten mit mir gemeinsam das gesunde Verhältnis zwischen uns wieder herzustellen, damit das „Haus“ in dem wir beide wohnen wieder ins Gleichgewicht kommt. Ich denke Du bist einverstanden und finde es wichtig, deshalb zunächst mal die Positionen klarzustellen:

Du bist mit deinen Fähigkeiten dazu bestimmt, mir zum Schutz zu dienen, das allein ist Deine Aufgabe. Mir ist es gegeben, über meinen Körper und meine Seele, und damit auch über dich zu herrschen. Einzig und allein wenn Gefahr droht, darfst und sollst Du dich zeigen um mich zu beschützen, zu leiten und in Sicherheit zu bringen. Ist dies nicht der Fall, dann hast du dich ruhig zu verhalten und brauchst dich nicht bemerkbar zu machen.

Ich möchte nicht mit Dir kämpfen, weil wir Freunde sind und keine Feinde. Wir sind uns gegenseitig nützlich. Du beschützt mich, und du darfst in mir leben. Aber eben nur zu diesem einem Zweck: um mich zu beschützen. Wenn Du mich beschützt, beschützt du auch Dich. Mit allen Tätigkeiten deinerseits, die deinen Zweck überschreiten, gefährdest Du unser beider Existenz. Also Hildegard, hör‘ bitte auf mit deinem Versuch, die Kontrolle über meinen Körper und meinen Geist zu gewinnen. Hör auf damit, mir blöde Gedanken in den Kopf zu setzen nur um Dich anschließend in den Vordergrund zu drängen. Mach einfach nur Deinen Job, und diene mir, dann können wir besser miteinander leben.

Ein Bereich wo Du überhaupt nicht eingreifen brauchst ist mein Schlaf und mein Bett.

Liebe Hilde, es ist wie gesagt gut, dass es dich gibt, aber hier bist du völlig unnötig und Fehl am Platz. Es gibt keinen einzigen Grund Dich hier zu zeigen. Du bist in Bezug auf mein Bett und meinen Schlaf einfach sinnlos.
Da mein Bett absolut kein gefährlicher Ort ist, bist du liebe Hildegard total deplatziert. Du bist dazu da, um mich zu beschützen. Aber dies ist keine gefährliche Situation, daher möchte ich dass du, wenn ich im Bett liege, dich zurückziehst und für uns beide still bist. Auch tagsüber brauchst Du dich nicht mit einer Angst vor der Angst bemerkbar machen. Es ist einfach unnötig. Also bitte zieh dich aus diesem Bereich meines Lebens komplett zurück.

Ich freue mich auf mein Bett.
Mein Bett ist ein Ort der Ruhe – mein Ort der Erholung. Den ganzen Tag freue ich mich darauf, darin zu schlafen. Ich liebe es, mich in meine Decke zu kuscheln und meine Muskeln zu entspannen – zu fühlen wie die Ruhe meinen Körper durchflutet.

In meinem Bett bin ich absolut sicher.
Die Wärme unter der Decke ist wohltuend und beruhigend.
Hier tanke ich Kraft für die Aufgaben des nächsten Tages.
Ich liebe es in Gottes Armen einzuschlafen mit dem Wissen „Mir fehlt nichts – ich habe alles“.

Wenn ich schlafe ist das auch Dein Vorteil:
Erstens brauchst Du auch mal Ruhe, Zweitens hast Du einen entspannten Tag vor Dir, wenn Du mich schlafen lässt. Darüber hinaus gestattest Du langfristig gesehen unserer Koexistenz viel mehr Gleichgewicht. Wie gesagt, möchte ich nicht gegen Dich kämpfen, sondern wünsche mir, daß aus unserer gegenseitigen Abhängigkeit wieder eine gesunde, positive Kooperation wird. So wie es immer war.

Also liebe Hildegard. Du hast in letzter Zeit viel gearbeitet. Mitunter, weil ich diesen ganzen Organismus, und damit auch Dich als Schutzfunktion desselben, unter Druck gesetzt habe. Jetzt kannst Du dich wieder auf dein Normal-Level zurückziehen und dich auf Deine Hauptaufgabe konzentrieren.

Ich verspreche Dir, daß ich meinen Teil zu einem Leben in gesunder Gelassenheit dazu beitragen werde: Ich werde ruhig und achtsam sein, und werde diesen Organismus – in dem auch Du wohnst – nicht mehr überstrapazieren und aus dem Gleichgewicht bringen. Ich werde in der Ruhe Gottes bleiben und alle Dinge und Aufgaben ruhig und gelassen angehen. Mein Wunsch ist es, dass wir uns gegenseitig wieder voll vertrauen. Ich gehe davon aus, daß Du mit mir übereinstimmst und auch deinen Teil zum Gelingen beitragen wirst, damit wir beide gemeinsam ein gesundes Leben haben.

Dein Ben

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