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Der leuchtende Faden – am Tiefpunkt der Depression

Dunkelheit. Absolute Finsternis. So schwarz wie ich keine Nacht zuvor gesehen hatte. Um mich herum das Nichts ohne jegliches Etwas. Nach unten ein Loch in das ich permanent zu fallen schien. Gefangen in einem schmerzenden Körper mit einer vor lauter Anspannung gefühlten Stahlplatte im Rumpf, Atemprobleme, Nahrungsverweigerung, Angst, Panikattacken, Schlaflosigkeit, Einsamkeit, Scham, Selbstverdammnis und das tiefe Gefühl von Gott verlassen worden zu sein.

Das muss der Ort sein, den man Hölle oder Hades nennt, dachte ich. Ich sah mich am Ende meiner Kräfte angelangt. Am äußersten Punkt meines gedachten Universums, am Abgrund meines Menschseins – mit all seinen Anforderungen, Verantwortungen, Verpflichtungen, Regeln und Rollen an denen ich allesamt scheiterte. Ich dachte, der Abgrund würde nicht zögern mich zu verschlingen, und das Nichts mich jetzt in seine Inexistenz aufnehmen.

Dann bemerkte ich einen leuchtenden Faden. Ich sah zwischen meinen Tränen hindurch deutlich eine Leuchtschnur, die an meiner Brust befestigt war. Sie verlief von mir aus nach vorne weg und leicht bergauf steigend in Richtung Himmel, wo sie in weiter Ferne im Nichts verschwand. Sie war die einzige Lichtquelle in meiner Umgebung und leuchtete in bläulicher Neonfarbe. Sie schwingte sich in der Luft ein klein wenig in leichten wellenförmigen Bewegungen hin und her.

In diesem Moment waren mir 2 Dinge völlig klar:

A) Die Schnur kann niemals reissen

B) Mit mir und meiner Leistung hat sie nichts zu tun

Die Leuchtschnur war einfach da, mitten in der Finsternis. Eine Verbindung zum Himmel, die mit mir und meinem Sein nichts zu tun hatte. Es war nicht in meiner Macht, zu entscheiden, ob die Schnur bleiben oder verschwinden soll. Sie war einfach an mir festgebunden.

Meine Gefühlswelt und die Umstände standen damals Anfang Juni 2019 natürlich noch immer auf dem Kopf und sollten es noch etliche Monate bleiben – Es war der tiefste Punkt der Depression – meines Lebens. Gescheitert. Aber genau zu diesem Zeitpunkt zeigte mir Gott in seiner Liebe und Güte das Wesentliche, was ich noch gar nicht wusste:

Der Neue Bund, der für mich geschlossen wurde zwischen Gott und seinem Sohn.

Dieser Bund wurde nicht MIT mir geschlossen, sondern FÜR mich. Er hat also mit mir und meiner Leistung nichts zu tun, jedoch ist er mir durch Jesus Christus vollständig zuteil geworden. Dies zeigte sich eben in jenem unkaputtbaren Faden.

In jenen Tagen versuchte ich das erlebte in Worte zu fassen:

Aus tiefer Finsternis ruf ich zu dir
Ich seh dich nicht doch du bist hier
Meine Glieder zittern und ich frier
Weiss nicht wie das gehen soll mit mir.

Dunkle Schatten erschrecken mich
An meiner Not amüsieren sie sich - Sie tanzen
Lachend, heimtückisch ist ihr Blick - ihre
Gedankenspeere quälen mich
Eine schwarze Wolke liegt über mir
Verdeckt mir meinen Blick zu Dir
Die Hoffnung weg, nur die Angst ist hier
Der tiefe Frieden fehlt mir sehr

Doch - Eine Lichtschnur in der dunklen Welt
Von meiner Brust zum Himmelszelt
Dort plötzlich hab ich sie gesehn
Zwei Klarheiten dazu, kann ich verstehn:
Der Faden ist niemals labil
Er kann nicht reißen, bleibt stabil
Mit mir und meinem Tun und Sein
Hat er ganz sicher nichts gemein.
Es liegt allein an Gottes Verheissen:
"Niemand wird aus meiner Hand sie reißen"

Heute ist mir klar geworden, dass der Ort der Gottferne selbst gewählt ist und nur erreichbar ist, durch destruktive Gedanken und Gefühle, die mit Gottes Liebe, Wahrheit und seinen Gottfakten überhaupt nicht im Einklang stehen. Depression ist also eine Bedrängnis, die wir in unserer Seele mit durchaus körperlichen Auswirkungen selbst erzeugen. Durch was? Durch Lügen die wir glauben und durch Unwahrheiten die wir uns einreden, welche sich verselbstständigen. Es sind selbsterbaute Konstrukte, welche uns den Weg zum Leben verbauen.

Aber nun zurück: Jesus kennt diesen Ort der Gottferne. Vollständig. Er war auch dort. Als er am Kreuz hing und von Gott verlassen war. Der einzige Unterschied ist, daß er KEINEN FADEN hatte. Der Faden war weg. Jesus war in der vollständigen Trennung von Gott, seinem geliebten Vater, mit dem er schon immer zusammen war. Er nannte ihn in diesem Moment auch nicht mehr „Vater“ sondern:

….“Mein Gott, warum hast du mich verlassen“

Matthäus 27,46

Jetzt kommt der absolute MEGA-Moment der ganzen Geschichte, der ganzen Schöpfung, des ganzen Universums. Der ultimative Höhepunkt der essentiellen Überwindung vom Guten über das Böse. Jesus legt in diesem Augenblick der vollständigen Trennung, Einsamkeit, Gottferne und Finsternis sein Vertrauen vollständig auf Gott, seinen Vater und rief mit lauter Stimme:

Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

Lukas 23, 46

Ich bin völlig geflasht von diesem Jesus. Er hat den Moment der vollständigen Gottferne bewusst erlebt, ja er hat sich dazu entschieden da durch zu gehen, damit du und ich diese Finsternis nicht OHNE FADEN, ja ÜBERHAUPT NICHT erleben müssen.

Als ich selbst in der Dunkelheit diesen rettenden, leuchtenden Faden sah, gab mir das Hoffnung. Ich wusste, hier komme ich wieder raus – irgendwie. Ich war überzeugt, daß mich die Verbindung zu Gott und dem Himmel wieder aufrichten wird.

Jesus hatte diesen Faden nicht.

Er ging als Mensch in die Finsternis, ohne Gott, aber in vollständigem Glauben. Er tat dies, aus Liebe zu uns, weil er wusste, dass wir sonst keine reale Chance hätten. Er überwand auf diese absolut beispiellose Art und Weise den Tod, die Sünde, jede Krankheit, jeglichen Mangel, jede Ungerechtigkeit und ausnahmslos alle Mächte der Finsternis. Er hat sie alle vorgeführt. Besiegt. Platt gemacht. Bloss gestellt.

Das ist der Sieg in dem wir heute leben.

Das ist der Sieger, der uns mit auf sein Siegertreppchen erhoben hat um seine Brüder und damit Erben Gottes zu sein.

Das ist der König an den wir glauben und der wieder kommen wird.

Das ist der Friedefürst, der alles wiederhergestellt hat und den Himmel für uns zugänglich gemacht hat.

Das ist dein Bräutigam, der sich so sehr nach Dir als seine Braut sehnt. Er ist so sehr verliebt in dich. Sein Herz verzehrt sich nach Dir. Er frägt Dich heute:

Darf ich deine Rettungsschnur sein? Möchtest Du, daß mein Sieg über die Finsternis in deinem Leben wirksam wird, und alle deine Feinde unter deinen Füssen liegen? Erlaubst du, daß ich dir heute begegnen und dich lieben darf?

Wie wirst du ihm heute antworten?

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