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Der Fluch der falschen Demut – Bibel missverstanden

Aufgewachsen bin ich wie schon einige Male erwähnt in einer christlich religiösen Familie. Jedoch nicht so, dass wir regelmäßig in eine bestimmte Gemeinde gegangen wären. Dazu waren meine Eltern zu „gemeindegeschädigt“. Denn es gab vor dieser Zeit eine Gemeinde, der sie angehörten. Sie verließen diese, nachdem mein Vater den Prediger während der Predigt darauf hinwies, dass in seiner Bibel etwas anderes stünde, als jenes, was gerade von dieser Kanzel gepredigt würde.

Nachdem dieser Prediger dann vor versammelter Mannschaft Vater als einen „von einem Dämon Besessener“ öffentlich diffamierte, verließen meine Eltern einige Zeit später diese Gemeinde, während der Rest der Verwandtschaft dort in führenden Positionen verblieb. Was daraus folgte war fatal. Ich nenne es „Reaktionstheologie“.

Religiöse Rechthaberei

Jede Feierlichkeit, bei welcher die ganze Familie mit der Verwandtschaft zusammentraf, war überschattet von einer Art des religiösen Kräftemessens. Bibelstellen flogen kreuz und quer über den Tisch. Jeder wollte den anderen mit scheinbarer Erkenntnis übertrumpfen, aber dabei nett bleiben. Es ging nur um Buchstaben. Verletzter Stolz, Schutzmechanismen und religiöse Rechthaberei dominierten dabei über jegliche Wahrnehmung der Güte des liebenden Vaterherzens eines sich selbst opfernden Schöpfergottes, dessen Gnade schlussendlich nie erkannt wurde.

Die Betonung lag immer auf der Argumentation, dass wir Menschen sündig, hilflos und klein vor Gott wären. Wir würden mit unseren Fehlern Jesus kreuzigen und wären somit Schuld an seinem Tod am Kreuz. Es wurde nicht klar gesagt, daß Jesus nur aus Liebe dort hing und den Zorn komplett über sich ergehen ließ, stattdessen wurde das Kreuz immer in Zusammenhang mit unserem Tun oder unseren Fehlern gebracht.

Es ging darum, alles richtig zu machen und böses zu meiden, damit man Gott gefällt und nicht in die Hölle kommt. Die Botschaft war stets sündenorientiert statt gerechtigkeitsorientiert. Mit der Info zwischen den Zeilen, daß ich durch mein Tun Gott milde stimmen könnte…. und auch musste…… sonst…….. Es stand immer eine imaginäre Drohung im Raum. Die Möglichkeit, daß Gott sich aufgrund meiner Fehler von mir abwenden könnte. So kam das zumindest in unseren Kinderohren an.

Falsche Demut – Bibelvers missverstanden durch Religiösität

Untermauert wurde diese Sichtweise der falschen Demut immer mit dem Vers:

So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt.

Matthäus 20, 16

Schon im Alter eines kleinen Jungen erschaffte diese falsch verstandene Botschaft somit eine zerstörerische Überzeugung sowie eine falsche Demutshaltung gegenüber Gott in meinem Herzen: Ich muss der Letzte sein um der Erste sein zu können. Ich muss mich selbst so klein wie möglich machen, um irgendwann bei Gott der Größte sein zu dürfen.

Mein Vater lebte uns das vor. Er war ein sehr weiser, intelligenter Mann, blieb aber weit hinter seinen Talenten und Fähigkeiten seiner Firma als „einfacher“ Lagerist ein Leben lang treu. Machte sich selbst immer klein. Er baute jedoch gleichzeitig jahrelang selbst und nahezu ohne Hilfe für uns ein 4-familien Haus, was sein wahres Potential zeigte. Finanziell musste demnach natürlich strikt hausgehalten werden. Leben in Fülle sieht anders aus. Ich deute dies nicht so, dass es so wie es stattfand falsch oder schlecht gewesen wäre, ich meine nur: Er hatte viel mehr drauf, erlaubte es sich jedoch nicht, es zu zeigen.

Falsche Demut passt leider prima in die Denkweise der gesetzlich denkenden Religiösität, welche uns immer sagen will, daß wir seeeehr vieeeeel tun müssen, um Gott zu gefallen weil wir sooooo klein und sooooo sündig sind. Gottes Sichtweise ist anders. Er zündete mit Jesus in uns ein Licht an und möchte, daß sein Reichtum in allen Facetten in unserem Leben zum Vorschein kommt:

Niemand aber zündet ein Licht an und setzt es an einen verborgenen Ort, auch nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Hereinkommenden den Schein sehen.
Lukas 11,33

Der Fluch frisst sich weiter

Negative Glaubenssätze verfestigten sich in meinem Herzen, die sich leider unbemerkt in meinem Inneren weiterentwickelten in Haltungen wie, „Erfolg ist nicht christlich… also darf ich keinen Erfolg haben“, „schaffa schaffa Häusle baua“, „wenn du Erfolg hast und gross bist, wirst du bei Gott der Kleinste sein – wenn du nicht vorher in der Hölle gelandet bist“.

Daher wurden erfolgreiche Menschen in meiner Familie auch einerseits eher distanziert und verurteilend betrachtet. Andererseits aber gleichzeitig mit verkappt neidischen Augen gesehen. Aber von Herzen ehrlich gegönnt, wurde niemandem etwas. Es lag wenn es um solche Menschen ging immer etwas komisches, ein Hauch von verurteilender Missgunst in der Luft, was aber nicht mit offenem Visier kommuniziert wurde, sondern eher verdruckst, verkappt, verklemmt, neidisch-religiös sich Ausdruck verschaffte. Ich hoffe ihr könnt mir folgen und einigermaßen nachvollziehen was ich meine. Es ist einfach sehr destruktiv, wenn Gott falsch verstanden und Religiösität und Gesetzlichkeit konsequent gelebt wird.

Angst macht sich breit

Wenn ich dann mal ein klein wenig Erfolg in meinem Leben hatte, dann war dies immer überlagert mit Angst. Angst dass es nicht richtig ist, Angst dass ich nicht richtig bin, Angst vor Strafe, Verlustangst, und natürlich wieder die Angst vor der Hölle und Verdammnis.

Das Ganze machte sich erst richtig bemerkbar, als meine 15 Jahre währende Selbstständigkeit als Grafiker im Kellerbüro durch einen eigenen Onlineshop in sehr kurzer Zeit zu einem kleinen erfolgreichen Online-Unternehmen heranwuchs. Ich benötigte Helfer. Im Inneren hatte ich jedoch das Gefühl ich wäre gescheitert, da ich die Flut an Anfragen und Aufträgen nicht mehr selbst stemmen konnte. Dazu kommt, dass ich nach der unterbewussten inneren Überzeugung ja gar nicht wachsen und gross werden wollte. Ja, ich hatte sogar Angst vor Erfolg.

Ich sah mich nicht als Arbeitgeber. Das verbot mir mein falsch tickendes Inneres, nach dessen Ansicht Arbeitgeber schließlich erfolgreiche, geldgierige Menschen sind, die Gott nicht mag, denen es ja nur um den unchristlichen „Mammon“ geht, der sowieso ungerecht war. Es entstand eine Zerrissenheit in meinem Leben, wie man sie sich kaum vorstellen kann.

Meine durch Religiösität erlernte verurteilende Haltung anderen gegenüber traf mich nun selbst.

Depression und Identitätskrise

Das Ganze Geschehen der Angst und Selbstverurteilung mündete in einer tiefen Depression, einer Sinnkrise, noch besser beschreibt es das Wort Identitätskrise. Ich wusste buchstäblich nicht mehr was richtig und falsch war. Ich wusste auch nicht mehr wer ich war, bin oder sein sollte. Ich hatte ständig das Gefühl zu fallen und dass mir alle Felle davonschwimmen.

Da gab es einen Teil in mir, der sich selbst verdammte und sich selbst auflösen, ja auslöschen wollte, aufgrund des Gefühls nicht würdig und gut genug für diese Welt zu sein. Der kontrollierende Teil, welcher durch Perfektionismus glaubte, alles im Griff zu haben, scheiterte kläglich. Alles lief innerlich aus dem Ruder.

Glaubt mir, ich brauchte lange Zeit um all diese Mechanismen und unbmerkten inneren Überzeugungen zu erkennen, zu reflektieren um sie letztendlich zu durchschauen, und zu verwandeln. Und es ist ein fortwährender Prozess, der anhält. Gott sei Dank.

Der Herr rettet durch Jesus Christus

Der Herr war es, der mich durch die Offenbarung seiner selbst in der Wahrheit des Neuen Bundes aus dieser Misere heraus rettete und heilte.

Als ich in der Klinik war, und vor mir selbst fliehend täglich um die 30000 Schritte über die erntereifen Felder am Rande des Kurortes lief, begleitete mich tief in meinem Inneren eine Stimme, die immerzu wiederholte: „Ich führe dich in die Ruhe und in das Sein“. Ich begann langsam, dieser Stimme zu vertrauen.

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich bereit, meine Herkunft, meine Kindheit und die falschen, religiösen Überzeugungen meiner Eltern und anderen Bezugspersonen zu hinterfragen, die sich auch unbewusst in mein Leben eingeschlichen hatten. Ich war bereit, wenn es sein musste, alles neu zu lernen. Es dauerte Monate.

Was ich aber in Folge lernen durfte, war genau das Gegenteil, von dem, wovon ich mein Leben lang glaubte es begriffen zu haben.

ES IST VOLLBRACHT.

Johannes 19,30

Ich kann dem nichts hinzufügen, und muss es auch gar nicht. Es liegt nicht an mir. Es liegt an Jesus. Er hat alles erwirkt, was ich für mein Leben benötige. Und noch viel mehr. Ich habe alles. Er hat es mir unverdient geschenkt. Ich darf mir das alles nehmen, es ergreifen.

Ich bin geboren um mit Gott Gemeinschaft zu haben. Ich darf gross und erfolgreich sein, weil ich es durch ihn schon bin. Denn mein Vater ist der Schöpfer dem alles gehört. Und ich bin sein Erbe. Ich habe alles. Siehe Gottfakten.

Die Wahrheit ist:

Jesus wurde der Letzte, damit wir, du und ich, die Ersten sein können.

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